Marketing gelungen. Marke tot?

Begonnen hat alles mit einem amateurhaften Video auf YouTube. Drei Freunde sitzen gemütlich zusammen und sprechen über ihre Handys. Einer meint, die Strahlung der Geräte sei stark genug, um aus Maiskörnern Popcorn zu machen. Die anderen können das beim besten Willen nicht nachvollziehen. Sie machen die Probe aufs Exempel. Und siehe da: Drei Handys reichen tatsächlich aus, um die Körner nur so durch die Luft knallen zu lassen.

Sehen Sie sich das doch einmal an:

Pop corn with cell phones

oder: http://www.youtube.com/watch?v=V94shlqPlSI

Unglaublich meinen Sie jetzt und denken besorgt, was Ihr Handy wohl mittelfristig mit Ihrem Kopf anrichten könnte? Dann ergeht es Ihnen nicht anders als 2,5 Millionen Zusehern, die das Video in kürzester Zeit verschlangen und teils amüsiert, teils besorgt an ihre Freunde weiterleiteten. Das merkwürdige Popcorn-Video kam derart gut an, dass es im Nu Nachahmer fand und zum Top-Thema der Internet-Gemeinde avancierte.

Genau das hat Cardo Systems beabsichtigt. Der Hersteller der Bluetooth Headsets hat das sagenhafte Video wohl anonym in Umlauf gebracht, um auf die möglichen gesundheitlichen Schäden der Mobilfunkgeräte aufmerksam zu machen und subtil zu suggerieren, Kopfhörer seien eine sicherere Alternative.

Ist der Marketing-Gag gelungen? Ja und nein! Einerseits konnte die virale Taktik natürlich schon ungeheuer viel Aufmerksamkeit für Cardo schaffen… und hat diverseste Zielgruppen angesprochen,” freute sich Kathryn Rhodes von Cardo Systems neulich im Wired Blog.

Andererseits hat die Kampagne aber auch so manche Zuseher verärgert. Menschen, die dem Video Glauben geschenkt hatten, fühlten sich für dumm verkauft. Sie sprechen jetzt von Schiebung, zumal nicht ganz klar ist, wie die Maiskörner im Film tatsächlich zum Aufknallen gebracht wurden. Schlimmer noch, es bleibt unklar, ob Bluetooth Headsets die Strahlung der Handys überhaupt minimieren, oder im Gegenteil, noch intensivieren.

Summa summarum hat diese Aktion, zumindest laut meinem Dafürhalten, ihr Ziel verfehlt. Sicher: Das Murketing (eine Kombination von „murky“ - also undurchsichtig - und Marketing), wie Rob Walker von der New York Times solche versteckte Marketing-Taktiken nennt, ist jetzt generell stark im Kommen. Zunehmend emanzipierte Verbraucher sind zwar werbeüberdrüßig, schätzen aber witzige Marketing-Aktionen dafür umso mehr. Trotzdem muß auch der cleverste Guerilla-Gag gewisse Grundregeln beachten. Allen voran muß er ehrlich wirken und eine nachvollziebare Botschaft vermitteln.

“Die Debatte über die Handy Strahlen ist noch längst nicht abgeschlossen,” schreibt BL Ochman in ihrem What’s Next Blog verärgert und zitiert eine Studie, die gar zu dem Schluß gekommen ist, die Bluetooth Headsets würden den Kopf ihrer Nutzer möglicherweise zu schädlichen Antennen mutieren lassen.

Der „Murketing“ Gag von Cardo wurde von der Pariser Agentur LastFools kreiert. Ich frage mich bloß, wer hier wohl zuletzt den Narren spielt. Was meinen Sie?
Auszug aus dem Magazin „Absatzwirtschaft“ von Yvette Schwerdt.

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Kommentare
Eine Antwort zu “Marketing gelungen. Marke tot?”
  1. Mario Ledermann sagt:

    Apropos Murketing: Es gibt jetzt auch Turketing, die Kombination aus turkey und Marketing. Siehe hier: http://www.guerilla-marketing.com/weblog/archives/1381

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