Ich erinnere mich nicht mehr so genau, aber es muss etwa im Jahre 2 vor Christus gewesen sein, als ich in einer kleinen Werbeagentur in Jerusalem arbeitete. Eines Tages – ich kritzelte gerade für jüdische Widerstandskämpfer irgendwelche Hetzparolen gegen die römische Besatzung auf Ziegenhäute – da klopfte ein bärtiger Mann an die Tür. Es war Josef. Sie wissen schon - der Zimmermann aus Nazaret. Er entschuldigte sich für seinen Verstoß gegen die jauker’sche Kleiderordnung und für seine Körperausdünstungen – er hatte sich seit Wochen nicht mehr gewaschen – und erklärte mir dann in einem etwas umständlichen Aramäisch, dass er ganz schnell eine Werbekampagne brauche und ob wir an einem Pitch interessiert seien. Kein Problem, sagte ich ihm, das mit der Werbekampagne und dem Pitch ginge klar, doch das mit dem „schnell“ könne er sich ganz schnell abschminken. Schließlich lebten wir im Orient des 1. vorchristlichen Jahrhunderts und nicht im Deutschland des 21. nachchristlichen. Nachdem wir einige Formalitäten und Smalltalk ausgetauscht hatten, zog ich ihm das Briefing aus der Nase. Es sah ungefähr folgendermaßen aus:

Hintergrundinfo:
Ich (Josef) und Maria (meine schwangere Frau) sind unterwegs nach Nazaret und suchen für den 24.12. eine Übernachtungsmöglichkeit in der Gegend um Betlehem. Vorzugsweise mit Eseltiefgarage, Hebammen-Service, Wickeltisch im Zimmer.

Zielgruppe:
Herbergseltern, Leiter von Karawansereien, Hausbesitzer mit Gästezimmern.

Werbeziel:
Das Erzeugen von Sympathie und das Wecken altruistischer, philanthropischer Gefühle für mich, meine Frau und unseren Esel (für Letzteren wohl eher philofaunische Gefühle).

Problem:
Meine Frau und ich gelten als asozial.

Werbemittel und -träger:
Marktschreier, der Aushang von Ziegenhäuten an öffentlichen und privaten Anschlagstellen, Postwurfsendungen aus geviertelten Ziegenhäuten, Tontafelsandwich-Männer, Zeloten-Marketing (heißt heute Guerilla-Marketing), Virales Marketing mittels Infizierung von Klatschweibern.

Werbezeitraum:
Advent.

Etat:
Ein herzliches Vergelt’s Gott.

Um die Sache abzukürzen: Wir haben den Etat natürlich gewonnen. Und nicht nur das. Wir haben für Maria und Josef und ihren Esel auch einen Übernachtungsplatz gefunden.

Sie glauben mir nicht? Das kann ich gut verstehen, denn auch der Vatikan hat mir nicht geglaubt, obwohl ich schon mehr als hundert Beweise dort abgeliefert habe. Klar. Die müssten ja auch die Bibel umschreiben, wenn sie mir glauben würden. Doch ich schwöre bei meinem zweiten Bauchnabel:

Ich habe diese Geschichte wirklich erlebt!

 

 

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