… oder: Realsatire auf Weltniveau
Immer wenn ich, wie kürzlich wieder einmal, über den Würzburg-Slogan lese, muss ich an die Hühner meines Großvaters denken und an das Gipsei, das er ins Nest legte, damit die Hühner wussten, wo sie ihre Eier abzulegen hatten. Ob Hühner jemals versuchen, ein solches Gipsei auszubrüten, entzieht sich meiner Kenntnis. Doch bei Menschen kommt so etwas schon mal vor.
Auch der bereits alte neue Würzburg-Slogan scheint so ein Gipsei zu sein. Denn obwohl man ihn schon seit Monaten bebrütet, ist bisher noch nichts ausgeschlüpft.
Was mich an diesem Brutverhalten am meisten befremdet ist die Hartnäckigkeit, mit der gegen alle Widerstände angebrütet wird. Mein Großvater, der kein Geschäftsmann gewesen ist, wäre nie auf die Idee gekommen, ein Gipsei monatelang bebrüten zu lassen. Schon gar nicht während einer Rezession.
Ist es denn wirklich angemessen, einen Stadt-Slogan, der auf breite Ablehnung stößt und sogar als geschäftsschädigend bezeichnet wird, auf Biegen und Brechen durchzuboxen?
Oder wäre es nicht schon längst wirtschaftlicher gewesen, ein Abstimmungsverfahren durchzuführen mit mehreren Alternativen zur Auswahl?
Eine Alternative von unserer Seite:
Würzburg.
Wissen, Wein und Weltkultur.

Unsere Anzeige aus der Main-Post vom 11. April
Dieser Slogan ist aufgrund seiner Alliteration einprägsam (4 Ws), enthält die wesentlichen Merkmale Würzburgs und weckt ein relativ konkretes Bild beim Leser/Hörer. Letzteres ist vor allem im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit bedeutsam, das heißt: Ich kann mir auch ohne begleitende Kampagne etwas unter Würzburg vorstellen.
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