Sinn und Unsinn diverser Würzburg-Slogans

… die im Zuge der Provinz-auf-Weltniveau-Diskussion in verschiedenen Blogs vorgeschlagen wurden.

Yes WÜ can
Ich muss gestehen: Als ich den Slogan zum ersten Mal im Würzblog las, war ich zunächst ebenfalls elektrisiert. Das lag jedoch vor allem an der Art, wie der Kommentator ihn zelebrierte. Die Begeisterung, mit der er ihn präsentierte, wirkte ansteckend. Bei näherer Betrachtung kamen mir jedoch Bedenken. Folgende Nachteile sollten in Betracht gezogen werden:
Nachteil 1: Die fehlende Glaubwürdigkeit
“Yes Wü can“ drückt aus, dass die Würzburger Power haben, dass sie jung und dynamisch sind und dass sie etwas bewegen können. Sieht man jedoch von dem Attribut „jung“ ab (höchster Anteil Deutschlands an jungen Erwachsenen), bleibt nichts übrig, was Würzburg glaubhaft und wirksam nach außen kommunizieren könnte. Würzburg zeichnete sich in der jüngsten Vergangenheit ja gerade nicht durch herausragendes Können aus. Zumindest nicht im Vergleich mit anderen Städten. Legt man Würzburg den Satz „Yes Wü can“ in den Mund, dann wirkt es ein bisschen wie der kleine Junge, der zu seinem Vater sagt:
“Papa, darf ich mal Auto fahren?“
Vater: „Ja, sicher darfst du mal Auto fahren. … Wenn du 18 bist.“
Junge: „Nein, jetzt!“
Vater: „Das kannst du noch nicht.“
Junge: „Doch ich kann! Papa, ich kann, ich kann!“
Es mag ja sein, dass es Würzburger gibt, die etwas Herausragendes können und Power haben. Doch man könnte kaum behaupten, dass sich Würzburg (als Ganzes betrachtet) mit den Merkmalen Power und Können von anderen Städten deutlich abhebt oder zumindest in der ersten Liga spielt. Doch genau dies ist erforderlich, um den Slogan glaubhaft und dauerhaft mit Leben füllen zu können. Würzburg müsste also permanent mit ungewöhnlichen Leistungen Schlagzeilen machen. Schafft man dies nicht, bleibt der Slogan eine Worthülse, die in kürzester Zeit als solche erkannt wird. Würzburg erschiene dann wie der kleine Junge, der fortlaufend sagt „ich kann, ich kann, ich kann“, aber die Beweise für sein Können schuldig bleibt.
Nachteil 2: Der Profilverlust
Wenn man sich vor Augen hält, dass der Slogan die Quintessenz dessen kommunizieren sollte, als was sich Würzburg profilieren möchte, dann zielt „Yes Wü can“ weit an Würzburg vorbei. Denn die einzigen Profilierungsmerkmale, die der Slogan liefert, sind Eigenschaften wie:
Würzburg kann irgendetwas (was auch immer) bzw. glaubt, etwas zu können.
Würzburg ist jung, dynamisch und selbstbewusst.
Doch von den Attributen, die Würzburg eigentlich auszeichnen, fehlt im Slogan jede Spur. Das heißt: das ursprünglich gewünschte Profil (Bild) wird durch ein anderes ersetzt, und dieses andere Profil ist 1. schwer auszufüllen, 2. schwer langfristig zu kommunizieren und 3. verwässert es das momentane Image von Würzburg.
Nachteil 3: Der hohe Werbeaufwand
Da der Slogan „Yes Wü can“ keine charakteristischen Merkmale von Würzburg enthält, wäre es nun Aufgabe der Werbekampagne, den Slogan mit den typischen Merkmalen Würzburgs zu verknüpfen und zu sagen, was Würzburg denn so gut kann. Bildlich gesprochen: Ich packe mit Hilfe einer Kampagne die Form gebenden Merkmale Würzburgs in einen Slogan hinein, der eine ganz andere Form aufweist und hoffe darauf, dass der Rezipient beim Hören oder Lesen des Slogans an die ursprüngliche Form erinnert wird. Davon abgesehen, dass mir diese Vorgehensweise äußerst unsinnig anmutet, halte ich sie für ineffizient. Wenn man berücksichtigt, wie gering und temporär der Werbedruck bei vergleichbaren Städte-Kampagnen gewöhnlich ist, dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass diese Verschmelzung gelingt, äußerst gering sein. Selbst wenn der Slogan aufgrund seiner Auffälligkeit im Gedächtnis bliebe, würde sich eine Werbeerfolgskontrolle möglicherweise so anhören:
Interviewer: „Was fällt Ihnen zu Würzburg ein?“
Passant: “Yes Wü can!“
Interviewer: “Und was noch?“
Passant: “Nichts!“
Fazit: Eine Stadt wie Würzburg kann sich eben keine Werbepräsenz wie McDonald’s leisten, um dem Rezipienten zu sagen, was er sich unter einer Stadt vorzustellen hat, deren Slogan eigentlich etwas ganz anderes aussagt.
Kleiner Tipp: Suchen Sie sich 5 – 10 Städte der Größenordnung Würzburgs aus und fragen Sie Passanten auf der Straße, ob sie die Slogans dieser Städte kennen und ob sie sich an eine Werbekampagne dieser Städte erinnern können.
Nachteil 4: Die Größe des Slogans
Ein Slogan wie „Yes Wü can“ ist schon praktisch. Denn er ist so groß, dass man alles hineinstopfen kann. Für Würzburg ist er allerdings zu groß. Er ist wie das Trikot eines Basketballspielers, das ein kleiner Junge trägt. Und weil der Slogan so groß ist, verlockt er dazu, mehr hineinzustopfen, als für eine klare Profilierung sinnvoll wäre. Da werden dann auch Dinge hineingepackt, die für Würzburg in keiner Weise charakteristisch sind. Würzburg kann dies, Würzburg kann das, Würzburg kann ein bisschen hiervon, Würzburg kann ein bisschen davon, Würzburg kann eigentlich fast alles und manches richtig gut, anderes aber nur ein klein wenig. Das Ergebnis: Formlosigkeit in höchster Vollendung.
Fazit:
Als alleiniger Slogan für die Stadt Würzburg ist “Yes Wü can“ eher ungeeignet. Er käme bestenfalls als Kampagnen-Motto infrage. Doch auch dafür würde ich ihn lieber nicht verwenden, weil er 1. nicht notwendig ist und 2. zu sehr ablenkt.
Da der Spruch aber m.E. generell gut ist, hielte ich es aufgrund der oben angeführten Nachteile auch für eine Verschwendung, ihn für die Stadt Würzburg einzusetzen.
Seine Nutzung für einen eher jungen Teilaspekt Würzburgs (z.B. Jugend-/Studenten-Szene o.ä.) erscheint mir dagegen sinnvoll und Erfolg versprechend.

Es kommt nicht auf die Größe an
Sicher könnte man mit diesem Slogan eine Kampagne stricken, die auf eine charmante Art mit der fehlenden Größe kokettiert und damit ein paar Sympathiepunkte gewinnen. Doch dies erscheint mir für den Aufwand etwas zu wenig.
Nachteil 1: Die relative Austauschbarkeit des Slogans
Der Slogan enthält keine Merkmale, die für Würzburg typisch sind. Denn klein – im Vergleich zu anderen – sind in Deutschland die meisten Städte und Orte. Für Städte, die keine charakteristischen Merkmale besitzen, aber dennoch durch relativ hohe Leistungen von sich Reden machen, wäre der Slogan durchaus gut geeignet. Für Würzburg eher nicht.
Nachteil 2: Der Profilverlust
Hier gilt Ähnliches wie bei „Yes Wü can“. Da der Slogan keine charakteristischen Merkmale Würzburgs enthält, unterstützt er den Profilverlust. Denn die Quintessenz dessen, was der Slogan suggeriert, ist: Würzburg ist zwar nicht groß, aber es scheint doch irgendetwas Beachtliches zu leisten. Irgendetwas, wohlgemerkt! Was dies konkret ist, soll ja dann erst mittels Kampagne mit dem Slogan verknüpft werden. Und somit landen wir wieder – wie bei „Yes Wü can“ – beim hohen Werbeaufwand.
Nachteil 3: Der hohe Werbeaufwand
Der Vorgang ist der gleiche wie unter „Yes Wü can“ beschrieben. Mit Hilfe einer relativ temporär wirkenden Kampagne soll versucht werden, die für Würzburg typischen Merkmale gedanklich mit dem Slogan zu verknüpfen. Eine Werbeerfolgskontrolle dürfte ein ähnliches Ergebnis zeigen wie im Falle „Yes Wü can“.
Interviewer: „Was fällt Ihnen zu Würzburg ein?“
Passant: „Es kommt nicht auf die Größe an?“
Interviewer: „Und was heißt dies für Sie konkret?“
Passant: „Würzburg ist nicht groß, aber scheint irgendetwas Besonderes zu haben/können.“
Nachteil 4: Die Größe des Slogans
Auch dieser Slogan bietet Platz genug, alles hineinzustopfen, was man gerade zu fassen kriegt. Und deshalb sind solche Slogans bei Werbern auch sehr beliebt. Wenn aber das, was man hineinstopft, dann doch nicht so besonders groß ist wie man gerne möchte und darüber hinaus auch kein typisches Merkmal von Würzburg, dann ist auch dieser Slogan bestens geeignet, die Konturen Würzburgs zu vernebeln.
Nach- oder Vorteil 5/1: Der Hintersinn des Größenvergleichs
Ob, wie und bei wem der Hintersinn in den Kopf oder in die Hose geht, darüber kann man streiten. Muss man aber nicht, solange die Nachteile überwiegen.
Fazit:
Der Slogan eignet sich für Städte, die keine charakteristischen und relevanten Merkmale besitzen, doch häufiger mal mit diversen Leistungen glänzen. Für Würzburg ist er m.E. ungeeignet.
Über eine Nutzung für einen Teilaspekt Würzburgs (siehe oben) könnte man sicher nachdenken.

MAINe Stadt ist auch deine Stadt
Der Slogan wirkt sympathisch, einladend und erzeugt persönliche Nähe. Er eignet sich in dieser Form (MAINe) für jede Stadt am Main, die überregional keine Bedeutung hat und regional kein markantes Profil. Eine gemütliche Kleinstadt könnte mit ihm sicher eine Kampagne kreieren, die Charme und Menschlichkeit verströmt. Für Würzburg ist er jedoch relativ ungeeignet. Die Gründe sind ähnlich wie bei den beiden oben beschriebenen Slogans.

Share/Save/Bookmark

Kommentare
6 Antworten zu “Sinn und Unsinn diverser Würzburg-Slogans”
  1. Mario Ledermann sagt:

    Kaum ist da ein neuer Präsident, schon gibt’s einen Feldzug.

  2. Auf No You Can`t findet man eine schöne Sammlung vom Obama Slogan: http://noyoucant.wordpress.com/ Auf dem Trittbrett ist eigentlich kein Platz mehr für Würzburg.

  3. Thomas sagt:

    Ich persönlich war ja zuerst ein Anhänger von “Provinz auf Weltniveau”, aber inzwischen stellt sich eher die Frage, ob wir das mit einem Slogan nicht ganz bleiben lassen sollten.

    “Yes WÜ can” ist tatsächlich kaum mehr als Trittbrettfahrerei, an sich ganz witzig, aber wenn er offiziell wäre, wäre er eher peinlich. Und mal ehrlich, mir persönlich gehen diese “Main”-”Mein”-Wortspielereien schon langsam auf den Keks.

  4. Mario Ledermann sagt:

    >mir persönlich gehen diese “Main”-”Mein”-Wortspielereien >schon langsam auf den Keks.

    Mir nicht schon langsam, sondern schon lange :-) Bei einer Kleinstadt würde ich aber ein Auge zudrücken.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.