Der große Nowitzki (der hier symbolisch für die Bank steht) hilft den kleinen Basketballspielern (die die Sparer verkörpern), den Ball (der das einzuzahlende Geld symbolisiert) ins Körbchen zu werfen (das dem Sparkonto entspricht).
Das Dumme ist nur:
Es gibt nur einen Ball, um den sich alle streiten; er vermehrt sich nicht und wird auch nicht größer.
Und – ein prophetisches Symbol für die Finanzkrise:
Das Körbchen hat ein Loch. Der Ball fällt immer wieder heraus.
Gut für die Basketballspieler, schlecht für die Sparer.
„Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“. Mit dieser Werber-Weisheit im Hinterkopf stolperte ich neulich über den Ogcocephalioidei, einen Fisch, der zugleich Angler ist und der mich ins Grübeln brachte.
Dem Ogcocephalioidei, dem Tiefsee-Anglerfisch, wächst aus der Stirn eine „Angelrute“, an deren Ende eine „Laterne“ baumelt, direkt vor seinem Maul. In der völligen Dunkelheit der Tiefsee werden Fische von dieser Lichtquelle angezogen wie Motten und schwimmen – wie zu erwarten – in den weit geöffneten Rachen des Anglerfisches. Da der Tiefsee-Anglerfisch, im Gegensatz zum Hai, nicht auf die Jagd geht, sondern seine Beute mit Hilfe unlauterer Werbung fängt (die kleinen Fische kriegen nicht das, was ihnen vorgegaukelt wurde), könnte man in Erwägung ziehen, Begriffe wie Finanzhai und Immobilienhai zu ersetzen durch Finanztiefseeanglerfisch und Immobilientiefseeanglerfisch.
Die Opfer des Finanztiefseeanglerfisches werden mit fantasievollen Finanzprodukten geködert und landen bei der Schuldnerberatung, die Opfer des Immobilientiefseeanglerfisches werden mit Traumhäusern gelockt und landen auf der Straße. In einem großen schwarzen Loch landen vermutlich beide.
Übrigens: Der Ogcocephalioidei eignet sich aufgrund seines kopfförmigen Körpers viel besser für Mensch-Raubfisch-Bildmontagen.
Dieser Blog-Eintrag berührt Werbung nur am Rande. Dennoch erscheint es mir interessant genug, das Thema hier einmal zu beleuchten. Denn es geht um Musik, einem Mittel, das auch in der Werbung eine bedeutende Rolle spielt.
Vor einem dreiviertel Jahr fand man in der Höhle „Hohle Fels“ auf der Schwäbischen Alp das vermutlich älteste Musikinstrument der Welt. Eine Flöte, geschnitzt aus einem Gänsegeier-Knochen. Alter: 35.000 bis 40.000 Jahre. Diese Zeitspanne fällt in das Jungpaläolithikum, der jüngsten Periode der Altsteinzeit. Altsteinzeit, bei diesem Stichwort neigen vermutlich die meisten dazu, an recht raue Gestalten zu denken, die nur Grunzlaute ausstießen und mit Steinwerkzeugen ums nackte Überleben kämpften. Jedoch: Wer in der Lage ist, einem Gänsegeier-Knochen Töne zu entlocken, die seinen Mitmenschen wohlige Schauer über die Haut jagen, dürfte ein beträchtliches Maß an Feingefühl vermuten lassen. Zumindest eine Kultiviertheit, die man dem modernen Zeitgenossen des Neandertalers kaum zugetraut hätte. Übrigens: in der gleichen Höhle fand man bereits die älteste Frauendarstellung der Welt. Die „Venus vom Hohle Fels“. Vermutlich galt schon damals, genau wie heute: Sex sells. Und: Musiker haben mehr Glück bei den Frauen.
Die Babys von Evian sind zurück…Bereits vor 10 Jahren hat uns Evian mit den Wasserballett-Babys verzückt. Das neue internationale Commercial ist seit 1. Juli auf Youtube zu sehen und hat jetzt schon fast 14 Millionen Klicks. Damit bricht der Spot alle Rekorde – und setzt damit neue Maßstäbe in der viralen Werbung. Die computeranimierten rollschuhfahrenden Babies toppen alle früheren ersten Plätze der meistgeklickten Spots.
Wie damals ist auch heute die Werbebotschaft: Verjüngende Wirkung auf den menschlichen Körper und Organismus”.
Weil Argentinier die Colamarke Pepsi falsch auszusprechen pflegten, nennt das Unternehmen sie zukünftig “Pecsi”. Da diese falsche Aussprache sich schon seit vielen Jahren so eingebürgert hat, hat sich das Unternehmen zu dieser Umbenennung entschlossen. Wie der Branchendienst Advertising Age berichtet, hat Pepsi nun eine landesweite Kampagne gestartet, in der das P in ein C getauscht wurde. Einer Umfrage zufolge hätten 25 Prozent der Argentinier “Pecsi” statt “Pepsi” gesagt.
Quelle: W&V
Quasselbrunn in den 50er Jahren. Auf dem Marktplatz: ein Dorfbrunnen, der blubbert. Daneben: eine Frau, die plappert. Es ist Frau Klatsch.
Frau Klatsch: „Ach, Frau Tratsch, schön, dass ich Sie treffe!“
Frau Tratsch: (keine Reaktion)
Na nu, ist der Ad-Server ausgefallen? Nein, daran kann es eigentlich nicht liegen. Frau Klatsch hat sich ja selbst rufen gehört. Aber vielleicht liegt’s ja am Account von Frau Tratsch. Eine Störung in der Leitung oder so. Einfach noch mal probieren.
Frau Klatsch: „Sagen Sie mal, Frau Tratsch, hat Ihre Tochter eigentlich schon entbunden?“
Das Gesicht von Frau Tratsch gefriert zu einer lautlosen Frage: „Wie bitte?“
Aha, das war eindeutig eine Ad-Impression. Eine sehr heftige sogar. Da wird bestimmt ein Ad-Click draus.
„Wi-wi-wieso verschwunden“, stammelt Frau Tratsch, „davon hat sie mir gar nichts erzählt, dass sie abhauen will und ich dachte …“
Click.
Ui, haarscharf daneben geklickt. Frau Klatsch versucht es mit einer Animation.
Frau Klatsch, mit der Hand vor Frau Tratschs Gesicht wedelnd: „Hallo, Frau Tratsch, aufwachen! Ich hab nicht gesagt verschwunden, sondern ent-bunden? Hat Ihre Tochter schon entbunden?“
„Ach, natürlich nicht“, winkt Frau Tratsch ab, sichtlich erleichtert, „sie ist doch gerade mal im fünften Monat.“
Click.
Frau Klatsch: „Ach so, na ja dann … Apropos im fünften Monat: der Kleine meiner Nichte ist erst fünf Monate alt und kann schon seinen Namen sagen.“
Frau Tratsch: „Mit fünf Monaten? Wie heißt er denn?“
Click.
Frau Klatsch: „Didi.“
Frau Tratsch: „Didi?“
Click.
Frau Klatsch: „Na ja, Dieter halt.“
Frau Tratsch: „Dieter? Heißt so nicht auch der Kleine von der Minderjährigen, die mit ihrem Onkel und ihrer Tante im Armenhaus wohnt?“
Click.
Frau Klatsch: „So ist es, Frau Tratsch. Und damit wären wir auch schon beim eigentlichen Thema …“
Frau Klatsch ist mit Clickrate und Clickstream zufrieden und präsentiert nun den heutigen Hauptcontent ihrer Quasselbrunn-Klatsch-Präsenz.
Frau Klatsch: „Das Kind – also der Dieter, nicht wahr – der soll gar nicht von einem GI sein, sondern vom – halt dich fest! – vom Onkel.“
Frau Tratsch: „Neeeeeiiiiin! Jetzt hör aber auf. Also wenn ich das heute Nachmittag meinen Gästen erzähle, denen bleibt meine gute Walnusstorte im Hals stecken …“
Click.
Zur Erklärung: Frau Tratsch hat zum Kaffeeklatsch in ihren Chatroom (Wohnzimmer) geladen und Frau Klatsch kann das vorauseilende und tausendfach widerhallende Echo ihrer Viral-Kampagne bereits hören. Ob sie das irgendwann folgende reale Echo auch verkraften kann, steht auf einem anderen Blatt. Pardon – auf einer anderen Side. Für heute kann Frau Klatsch jedenfalls zufrieden sein. Denn Frau Tratsch abonniert beim Abschied schnell noch den Quasselbrunn-Klatsch-Newsletter:
“Sie, Frau Klatsch, … also über den Dieter – Sie wissen schon, der im Armenhaus – über den müssen Sie mich unbedingt auf dem Laufenden halten.“
Als mir der Slogan zum ersten Mal begegnete (auf wuerzburg-ag.de), nahm ich fast keine Notiz von ihm, da er mir zu unbedeutend erschien. Als ich ihn zum zweiten Mal las (in einem Schreiben, in dem er als Favorit präsentiert wurde), musste ich lachen. Ja, es war wirklich belustigend, und so langsam beschleicht mich der Verdacht, Volksbelustigung sei der einzige und wahre Grund dieser Image-Aktion.
World Wide Würzburg: Dies ist also nun das vorläufige Ergebnis eines sechswöchigen Kreativmarathons, dem bereits ein sechsmonatiger Kreativhürdenlauf vorausgegangen war. World Wide Würzburg – das ist Würzburg verpackt in Profillosigkeit höchster Vollendung. Profillosigkeit auf Weltniveau, sozusagen.
Welches Bild (Image) soll vor dem geistigen Auge des Lesers erscheinen, wenn er diese Worte liest? Was soll er sich unter diesen Worten vorstellen?
Dass Würzburg ein zweites Silicon Valley ist? Das wäre gelogen und vor allem unglaubhaft.
Dass Würzburg irgendetwas in alle Welt exportiert? Dies hätte es mit sehr vielen Städten weltweit gemein.
Dass Würzburg weltoffen ist? Dadurch zeichnet sich Würzburg weder besonders aus, noch wäre es ein markantes Unterscheidungsmerkmal.
Dass Würzburg - wie Hamburg - das Tor zur Welt ist? Wohl kaum, denn es ist nicht einmal die Katzenklappe.
Um das Rätsel dieser fragwürdigen Slogan-Auswahl zu lüften, werfen wir einmal einen Blick ins Briefing und in eine Präsentation der Würzburg-AG.
Zitat 1 (aus dem Briefing):
In dem aktuellen Strategiepapier heißt es zusammenfassend:
„In kaum einer Stadt der Welt findet man die Kombination von Wissen, Kultur und Gesundheit auf so kleinem Raum verdichtet wie in Würzburg! Dies vermischt mit der gegebenen unterfränkischen Provinzialität führt zu einem hohen Maß an Lebensqualität für die Bewohner und zu einer starken Anziehungskraft für Touristen.“ ………. Entwickle eine 360° Kampagne zur unverwechselbaren Positionierung der Stadt Würzburg.
Zitatende
Zitat 2 (aus der Präsentation):
In Form von Slogan, Claim, Bild, Text und Medium soll diese Kernbotschaft (Anmerkung: die im Zitat 1 genannte) werbe- und vor allem pressewirksam kommuniziert werden.
Zitatende
Zitat 3 (aus der Präsentation):
Wofür steht Würzburg? Welches Profil hat diese Stadt?
Die drei Säulen des Profils:
Wie ist Würzburg im Wettbewerb der Regionen positioniert? Eine klare Positionierung fehlt, weil die diffusen Vorteile der Stadt nicht zu einem schlagkräftigen Profil gebündelt sind. In einem Strategie-Workshop wurde das Thema diskutiert und auf folgende drei Säulen gestellt:
Wissen, Kultur, Gesundheit
Die Kombination dieser drei Faktoren macht Würzburg einzigartig und unverwechselbar.
Zitatende
Wissen, Kultur, Gesundheit waren also die drei Säulen des Profils, die Würzburg ein unverwechselbares Image verleihen könnten - sofern es diese auch wirksam kommuniziert. Da der Slogan die Quintessenz einer Marke (in diesem Fall Würzburg) ausdrücken und ihre wesentlichen Merkmale bündeln sollte, wäre es nicht zu viel verlangt, die „drei Säulen“ – so vollständig “wie möglich” – im Slogan wieder finden zu wollen. Doch in dem von der jovoto-Community favorisierten Slogan fehlt davon jede Spur. Die Merkmale, die im Briefing und auch in der Provinz-auf-Weltniveau-Präsentation als Quintessenz festgelegt wurden und sozusagen vorgegeben waren, wurden von der jovoto-Community einfach über Bord gekippt. Doch nicht nur von ihr. Auch die Würzburg-AG scheint sich ihrer ursprünglichen Aufgabenstellung (Basisfakten) entledigt zu haben.
In der Schule hätte man für ein vergleichbares Ergebnis eine Sechs kassiert, weil „Thema verfehlt“. Doch in der freien Marktwirtschaft wird man für eine solche Leistung mit einem Preisgeld belohnt. Na ja, was soll’s? Wenn das Ergebnis nicht zur Aufgabenstellung passt, dann wird halt die Aufgabenstellung rückwirkend dem Ergebnis angepasst.
Der Slogan „World Wide Würzburg“, der von der jovoto-Community ausersehen wurde, das künftige Image von Würzburg zu prägen, hat mit dem heutigen Würzburg und dem im Briefing beschriebenen so gut wie nichts zu tun. Da wurde einfach wieder einmal das Marken-Raumschiff von Major Tom gestartet.
„Dann hebt er ab und völlig losgelöst von der Stadt schwebt die Marke … „
Mittels dieses Slogans Würzburg jenes Image verleihen zu wollen, das im Briefing gefordert war, ist vergleichbar dem Versuch, sich figurbetont zu kleiden, indem man seine Garderobe fünf Nummern größer wählt.
Meine Einschätzung des sechsmonatigen Kreativhürdenlaufs, des sechswöchigen jovoto-Kreativmarathons und des (langfristigen) Nutzens für Würzburg:
Alles Schall und Rauch.
Die kürzlich in Cannes mit einem Löwen ausgezeichnete Kampagne von O&M Bangkok für Wüsthof löst bei mir ein eher “seltsames” Gefühl aus. Die Motive sind sicherlich alle sensationell grafisch umgesetzt, bin mir aber nicht sicher ob hier Werbung für den Vegetarismus oder für das Messer gemacht wird. Was meinen Sie?
Im SPIEGEL Nr. 28 ist auf einem Bild der Seite 72 der Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu sehen, während er Schulkindern ein Märchen vorliest. Eine Fußnote weist darauf hin, dass die Märchenstunde am 2. Juli im Max-Liebermann-Haus in Berlin stattfand und dass es sich bei dem Märchen um „Hans im Glück“ handelte.
Uff! … Hans im Glück. … Welch eine bedeutungsschwangere Lektüre angesichts der Wirtschaftskrise. Das riecht nach kindgerechter PR à la Gebrüder Grimm. Und wie passend aus dem Munde eines Wirtschaftsministers.
„Liebe Kinder, nehmt euch Hans zum Vorbild! Er hat sich durch ehrliche Arbeit einen Klumpen Gold erworben, jedoch peu à peu alles verloren, was er besaß. Aber! … er war trotzdem glücklich.“
Hätte Herr zu Guttenberg die Kinder nicht mit einem anderen Märchen „impfen“ können? Zum Beispiel „Ali Baba und die 40 Räuber“. Oder „Das Märchen vom Schlaraffenland“. Auch nicht schlecht: die Pechmarie von „Frau Holle“ in Erwartung des Goldregens. Und für Ungeduldige: „Tischlein deck dich und Goldesel, sonst Knüppel aus dem Sack“.
Tipp: Wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber demnächst “Hans im Glück” vorliest, sollten Sie Ihre Gehaltsabrechnung im Auge behalten.
Gegenstände können Geschichten erzählen. Manche weniger, andere mehr. So wie dieses Objekt hier. Es handelt sich um einen Damen-Tanga, der an einer harmlosen Landstraße im Staub einer Feldwegeinmündung lag - etwa drei Meter von einer Bank und einem Waldrand entfernt. Das Besondere: die linke Verbindungskordel (auf dem Bild rechts) zwischen vorderem und hinterem Stoffdreieck war – nein, nicht zerrissen – sie war durchgeschnitten.
„Was“, so möchte ich einmal ganz naiv fragen, „könnte jemanden bewogen haben, an einer Feldwegeinmündung einen Damen-Tanga zu zerschneiden?“ Diese Frage stellte ich dem Tanga persönlich und er hat mir folgende Antwort zugeflüstert:
Laue Sommernacht
Trieb erwacht
Frau und Mann
Fahren rechts ran
Auto abgestellt
Höschen fällt
Er über Sie her
Stehender Verkehr





