„Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“. Mit dieser Werber-Weisheit im Hinterkopf stolperte ich neulich über den Ogcocephalioidei, einen Fisch, der zugleich Angler ist und der mich ins Grübeln brachte.
Dem Ogcocephalioidei, dem Tiefsee-Anglerfisch, wächst aus der Stirn eine „Angelrute“, an deren Ende eine „Laterne“ baumelt, direkt vor seinem Maul. In der völligen Dunkelheit der Tiefsee werden Fische von dieser Lichtquelle angezogen wie Motten und schwimmen – wie zu erwarten – in den weit geöffneten Rachen des Anglerfisches. Da der Tiefsee-Anglerfisch, im Gegensatz zum Hai, nicht auf die Jagd geht, sondern seine Beute mit Hilfe unlauterer Werbung fängt (die kleinen Fische kriegen nicht das, was ihnen vorgegaukelt wurde), könnte man in Erwägung ziehen, Begriffe wie Finanzhai und Immobilienhai zu ersetzen durch Finanztiefseeanglerfisch und Immobilientiefseeanglerfisch.
Die Opfer des Finanztiefseeanglerfisches werden mit fantasievollen Finanzprodukten geködert und landen bei der Schuldnerberatung, die Opfer des Immobilientiefseeanglerfisches werden mit Traumhäusern gelockt und landen auf der Straße. In einem großen schwarzen Loch landen vermutlich beide.
Übrigens: Der Ogcocephalioidei eignet sich aufgrund seines kopfförmigen Körpers viel besser für Mensch-Raubfisch-Bildmontagen.