Als ich kürzlich durch die nächtlichen verschlafenen Gassen eines Provinznestes flanierte und kleinststädtische Häuserfronten fast vergeblich um meine Aufmerksamkeit buhlten, da gewann das Rennen schließlich ein Anti-Kanditat aus dem alternativ-horizontalen Gewerbe. Aus der sterbenslangweiligen Häuserzeile jenseits der Straße drängte sich ein Objekt hervor, das an Tristesse kaum zu überbieten war: Das Schaufenster eines Bestattungsinstituts, dessen Deko – inklusive Gardinen – seit 50 Jahren nicht mehr gewechselt worden zu sein schien. Das Ganze wirkte wie eine Bild gewordene Symphonie der Verwesung. Selbst die Hauswand hüllte sich in einen zarten Trauerflor.
Wer mag bei einem solchen Anblick ans Sterben denken? Vergeht einem da nicht jeder Suicidgedanke?
Ich finde: mit einem todschicken Corporate Design, sähe auch Gevatter Tod etwas freundlicher aus.