Wer einen Blick in eine mögliche Zukunft werfen möchte, sollte sich ein aktuelles Video des Google-Entwicklerduos Jens und Lars Rasmussen ansehen. Auf der Entwickler-Konferenz I/O haben die beiden Google Maps-Erfinder den neuen Online-Dienst ”Google Wave” vorgestellt, der weltweit für Raunen sorgt und die Blogs zum Brummen bringt. So ähnlich, sind sich die Kommentatoren einig, könnte die Kommunikation der Zukunft aussehen: eine Mischung zwischen Facebook und E-Mail, Chat und kollaborativen Netzwerken.

“Wie würde E-Mail aussehen, wenn es heute erfunden worden wäre?” Um diese Frage kreisen die Überlegungen der Entwickler, die Google Wave vorstellen. Der Dienst steckt nach zwei Jahren Entwicklung zwar noch immer in den Kinderschuhen und wird der Öffentlichkeit erst in ein paar Monaten zur Verfügung stehen, er könnte aber bereits heute eine Antwort des Internetgiganten auf Facebook und etliche andere Web 2.0-Dienste sein.

Xing, Facebook, Flickr, Mail, iChat, Twitter - das Problem ist vielen Anwendern bekannt: Sie tummeln sich in einer Vielzahl von Netzwerken und verschieben Texte, Fotos und Videos von einer Plattform zu anderen, bearbeiten sie aber oft noch in lokalen Applikationen. Ein Beispiel: Informationen erreichen einen als Mail, werden an andere Empfänger per Chat weitergegeben, von den in ein Textdokument kopiert, als Mail zurückgegeben, in einem Textprogramm korrigiert und landen schließlich über FTP online.

Die Kommunikationstechnik der Zukunft wird die sein, die die verschiedenen Plattformen wieder vereinen kann, glaubt Google. Lineare Kommunikationsprozesse gehen in einem Netzwerk auf, das verschiedenste Übertragungswege vereint, Neues mit Klassischem verbindet und dabei auf einem ausgefeilten Rechtesystem beruht. Google Wave ist E-Mail-Programm, Chat, Datenaustausch und kollaborativer Editor in einem, auf einer einzigen Plattform und in Echtzeit. Gearbeitet wird immer mit demselben Dokument - ein Chat wird zur E-Mail, neue Empfänger werden per Drag-and-drop hinzugefügt und können live am Dokument mitarbeiten, Anhänge hinzufügen und Kommentare hinterlassen. Alle Dateien lagern dafür nicht zu Hause auf dem Mac, sondern auf einem zentralen Server im Internet - dass das ausgerechnet bei Google sein soll, dürfte einige Datenschützer weniger freuen. Harmlos hingegen: Sogar miteinander spielen können soll man mit Wave.

Die Grundstruktur des Dienstens stellen sich die Entwickler als Wellen vor, daher der Name “Wave”. Auf einer “Wave” surfen beliebig viele Personen und führen eine gemeinsame Konversation. Loggt sich ein Teilnehmer ein, sieht er auf einem Blick, was seit seinem letzten Besuch passiert ist. Wave-Anwender können beliebig viele solcher Kanäle erstellen und Teilnehmer einladen. Laut Google soll sich die Technik sowohl für den Kontakt zu Freunden (Facebook etc.) als auch für das geschäftliche Arbeiten einsetzen lassen (Groupware).

E-Mail, Instant Messaging und Fotos

Rasmussen zeigt einige Funktionen, die die Bedienung verdeutlichen: Teile von E-Mails kann der Anwender in Wave direkt mit einer Textnachricht kommentieren. Beim nächsten Log-in antworten andere Teilnehmer auf die hinzugefügte Textnachricht. So entsteht nach und nach ein Dokument, das alle Phasen der Kollaboration visuell zugänglich macht, der Anwender kann sie schrittweise nachverfolgen. Auch direktes Chatten ist innerhalb der Wave möglich, Fotos lassen sich ebenso wie andere Medien über Alben einbinden.

Mobile Geräte

Wave unterstützt mobile Geräte: Auf der Konferenz sind ein iPhone und das Android-Handy G1 im Einsatz. Genau wie auf dem Desktop kann man “Waves” verfolgen und schreibend eingreifen

Open Source und zahlreiche Werkzeuge für Programmierer

Wave ist Open Source. Google legt viel Wert darauf, umfassende Programmier-Schnittstellen für Entwickler zur Verfügung zu stellen, die den Dienst bis zum noch offenen Erscheinungstermin “in ein paar Monaten” verbessern und um neue Funktionen erweitern sollen. Rasmussen erklärt, dass das Prinzip dieser Erweiterungen mit dem von Plug-ins für Firefox zu vergleichen sei. Auch in der aktuellen Preview gibt es erste Erweiterungen: Schon ist in die Texteingabe eine Korrektur eingebunden, die Wörter aus ihrem Kontext heraus verbessern soll. Weitere Erweiterungen werden den Dienst an vorhandene Plattformen anbinden, an soziale Netzwerke, Blogsysteme und mehr. Wave soll sich auch zusammen mit Google-fremden Mail-Servern einsetzen und sich in Webseiten einbinden lassen, manches Unternehmen dürfte dies begrüßen.

Quelle: macnews

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