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Maria-und-Josef-Etat, Teil 3

Ja, ja, lacht nur, liebe Kollegen! Aber das Lachen wird euch noch aus dem Gesicht bröckeln, wenn ihr erfahrt, was ich am Wochenende beim Stöbern auf dem Dachboden entdeckt habe. Haltet euch fest:
In einer hölzernen Reisetruhe, die einmal dem Gartenarchitekten Ludwigs XIV., André le Nôtre, gehört haben soll, fand ich mehrere Tontäfelchen, die Handlungsanweisungen für das Virale Marketing der Maria-und-Josef-Kampagne  trugen(siehe Teil 1 u. 2). Euch ist hoffentlich klar, um welch unschätzbaren Wert es sich bei diesen Schriftstücken handelt. Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieser Fund eine ähnliche Bedeutung erlangen wird, wie die Schriftrollen von Qumran, lassen sie doch ein Kapitel der Bibel in einem völlig anderen Licht erscheinen als bisher geglaubt. Um euch nicht länger auf die Folter zu spannen, veröffentliche ich – exklusiv für euch – eine kleine Sammlung dieser tönernen Preziosen, jedoch nicht, ohne durch die Blumen André le Nôtres signalisiert zu haben, dass ich für ein Höchstgebot jederzeit ein offenes Ohr/Portemonnaie habe.

Nun zu den Fundstücken:
Die Tontäfelchen waren an den jeweiligen Klatschinitiator gerichtet (Klatschweib bzw. Informann) und beidseitig beschriftet, wobei die Texte auf den Rückseiten immer gleich waren. Sie enthielten eine allgemeine Erläuterung, wie der jeweilige Text auf der Vorderseite aufgefasst werden soll sowie allgemeine Handlungsanweisungen für die Verbreitung des Inhalts. Im Wesentlichen ging es darum, den Text auf der Vorderseite nicht auswendig wiederzugeben, sondern seinen Inhalt – je nach Situation und Laune – mit eigenen Worten weiterzuerzählen.

Nun ein kleiner Auszug aus meiner Sammlung (zu sehen ist jeweils die Vorderseite):

Simon aus Tiberias: 
„Es wird ja immer so viel über Maria und Josef gelästert, dass die asozial wären und so. Das kann ich absolut nicht bestätigen. Im Gegenteil. Als mir letztes Jahr ein betrunkener Römer das Dach über dem Kopf angezündet hat und mein Haus bis auf die Grundmauern nieder brannte, da waren es nicht meine Freunde und Verwandten, die mir geholfen haben, nein: Es war Josef. Josef aus Nazaret! Der hat mir das Baumaterial besorgt, den Plan gezeichnet und alle Bauarbeiten selbst erledigt. Und das ganz ohne Bezahlung und obwohl wir uns nicht kannten. Jetzt frag ich dich: Wie viele Leute kennst du, die so etwas für dich tun würden? … Ne, ne, über den Josef lass ich nix kommen.“

Andreas aus Akko:
„Zu einer Zeit, in der ich noch jung und leichtsinnig war, hatte ich einmal Spielschulden bei Samson aus Gaza.  Der drohte, mir jeden Knochen im Leib einzeln zu zermalmen. Als ich nicht mehr ein noch aus wusste, stürzte ich mich bei Jericho aus Verzweiflung in den Jordan. Und wer hat mich rausgefischt? Josef aus Nazaret. Und das, obwohl er gar nicht schwimmen konnte. Und wer hat mit der Auszahlung seines Bausparvertrags meine Spielschulden bezahlt? Josef aus Nazaret. Ohne Gegenleistung und obwohl er mich gar nicht kannte. Jetzt zeig mir mal jemanden, der das gleiche für dich tun würde, obwohl er dich nicht kennt. Wenn du jemanden findest, zahle ich dir einen Bausparvertrag.“

Magdalena aus Hebron:
„Meine Schwägerin hat neulich eine Frau getroffen, die eine Begegnung hatte mit einer Wahrsagerin. Und zwar einer echten Koryphäe auf ihrem Gebiet. Und die erzählte meiner Schwägerin ganz im Vertrauen, welche Zukunft sie in der linken Hand und in der rechten Iris von Maria gesehen hatte. Und jetzt setzt euch hin, damit ihr nicht umfallt! … Sie hat gesehen, dass Maria so etwas Ähnliches wie einen König gebären wird und dass sie dafür noch 2000 Jahre nach ihrem Tod so eine große Fangemeinde hat, dass sie täglich körbeweise Fanpost kriegt. Also wenn ihr mich fragt: Jemanden, der noch in 2000 Jahren so geliebt und verehrt wird, den kann man einfach nicht links liegen lassen.“

Izabel aus Haifa:
“Ich hatte mal was mit einem Kamelhändler aus Asyut. Dummerweise kam mein Mann dahinter. Na ja, ihr könnt euch ja vorstellen, was dann los war. Doch wenn Maria nicht gewesen wäre, würde ich die Geschichte jetzt gar nicht erzählen. Denn nach dem 20. Stein ist sie einfach dazwischen gesprungen und hat gerufen: ‚Halt! Lasst mich für Izabel sterben!’ … Ihr hättet die Meute mal sehen sollen. Einer nach dem anderen zog verschämt den Schwanz ein und hat sich verkrümelt. Also für mich ist Maria `ne Heilige. So viel steht fest.“

Ruth aus Irbid:
„Also ich hab die Maria schon gekannt, als sie noch so klein war. Sooo klein. Da hat sie immer mit den anderen Kindern auf der Straße gespielt. Das Auffällige an ihr war: Immer, wenn sie jemanden gesehen hat, der Hilfe braucht, hat sie ihr Spiel sofort unterbrochen und ist zu ihm gerannt, um zu helfen. Immer! Immer!!! Da gab es für sie gar nichts anderes, als Helfen. Ich meine, … so etwas ist ja heutzutage nicht selbstverständlich für’n Kind, oder? Na ja, und wenn ihr euch vorstellt, dass sie schon als Kind so war – obwohl Kinder ja eher kleine Egomanen sind, dann könnte ihr euch ja ein Bild davon machen, wie sie heute ist. Ich sage immer nur: Die is’ so gut - die is’ die Barmherzigkeit in Fleisch und Blut.“

Aaron aus Tel Aviv:
„Vor zehn Jahren war ich beruflich häufig zwischen Tel Aviv und Nazaret unterwegs. Doch nachdem Herodes, der Halsabschneider, die Pendlerpauschale gestrichen hatte, ging der größte Teil meines Einkommens für Pferdefutter drauf. Da brachte mich Josef auf die Idee mit dem Esel. ‚Sieh her’, hatte Josef gesagt, ‚mein Esel braucht nur die Hälfte des Futters, das dein Araber braucht, und er macht nur halb so viel Mist. Doch während dein Araber nur einen Sitz hat, kann ich aus meinem Esel locker einen 5-Sitzer machen, weil er das Vielfache von dem trägt, was dein Araber tragen kann.’ … Tja, und dann haben wir eine Reitgemeinschaft gebildet. Das heißt, Josef hat mich täglich auf seinem Esel mitgenommen. Und weil ich weiter reiten musste als er, hat er mir den Esel für den Rest der Strecke überlassen. Und das ohne Bezahlung. … Also ich sage heute: Was wir brauchen, ist nicht die Pendlerpauschale, was wir brauchen, sind mehr Leute wie Josef.“

Nun, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ich hoffe, dass ich euch mit diesen wohl ersten und einzigen antiken Hinweisen auf Virales Marketing von der Existenz unserer Maria-und-Josef-Kampagne überzeugen konnte. Sollte ich darüber hinaus den ein oder anderen animiert haben, angesichts der wirtschaftlichen Lage sein Erspartes in antiken Kulturschätzen anzulegen – meine Geschäftsbedingung lautet: Ist das Geld nur Rauch und Schall, akzeptiere ich nur Edelmetall. 

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