Warum, so fragte ich mich neulich, hat die älteste Werbeagentur Deutschlands ausgerechnet ihren Sitz in Hamburg? Beim Versuch, diese Frage zu beantworten, stieß ich auf interessante Parallelen, die vermuten lassen, dass zwischen Werbung und Seefahrt eine Verbindung besteht.
Als es noch keine satellitengestützen Navigations-systeme gab, da verließen sich Freizeitkapitäne manchmal auf die Brötchentütennavigation. Sie liefen am Abend einen für sie unbekannten Hafen an, und am Morgen, wenn Sie beim Bäcker Ihre Frühstücksbrötchen kauften, sahen sie beim Blick auf die Brötchentüte, in welchem Hafen sie sich befanden. Werbung als Navigationssystem für Seefahrer. Übrigens: Diese Art der Navigation wurde angewendet von Freizeitkapitänen, die sich gerne treiben ließen – also ein nautisches Brainstorming betrieben.
Doch die Verbindung zwischen Werbung und Seefahrt geht noch tiefer.
Wie allgemein bekannt, spinnen Seeleute gerne Seemannsgarn, jene Geschichten, in denen es um Klabautermänner, Seeungeheuer, Geisterschiffe und ähnliche Hirngespinste geht. Bei dieser Arbeit – denn ursprünglich handelte es sich tatsächlich um eine physische Arbeit – da saßen die Brüder von Käpt’n Blaubär beisammen und versuchten, sich mit ihren Phantasiegeschichten gegenseitig zu überflügeln. Das Ergebnis dieses kollektiven Brainstormings waren Kinofilme im Kopf, neben denen „Fluch der Karibik“ wie Kasperltheater gewirkt hätte. Manche dieser Seefahrermythen, insbesondere solche, die von unermesslichen Schätzen in der Südsee handelten, waren so werbewirksam, dass sie scharenweise Freibeuter anlockten wie tote Fische am Strand die Fliegen. Doch schon damals galt: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Und so entpuppte sich die vermeintliche Schatzinsel für viele als der Südseeschwindel, eine 1720 geplatzte Spekulationsblase, über die Isaac Newton sagte: „Ich kann die Bewegung eines Körpers messen, aber nicht die menschliche Dummheit.“
