Als Deutschland noch die D-Mark hatte, da konnte man auf unseren Banknoten folgende Motive finden:
5 DM - Bettina von Arnim (Schriftstellerin) / Brandenburger Tor
10 DM – Carl Friedrich Gauß (Mathematiker, Astronom, Physiker, Geodät) / Sextant
20 DM - Annette von Droste-Hülshoff (Schriftstellerin) / Schreibfeder
50 DM - Balthasar Neumann (Baumeister) / Würzburger Residenz, Abtei Neresheim
100 DM - Clara Schumann (Komponistin, Pianistin) / Konzertflügel
200 DM - Paul Ehrlich (Mediziner, Serologe) / Mikroskop
500 DM - Maria Sibylla Merian (Naturforscherin, Malerin, Kupferstecherin) / Löwenzahn
1000 DM - Gebrüder Grimm (Sprachwissenschaftler) / Wörterbuch
Deutschland setzte also auf Köpfe (Vorderseite) und deren Wirken (Rückseite).
Und worauf setzt (sitzt) Deutschland heute?
Auf Immobilien!
5 Euro: klassizistischer Baustil / 10 Euro: romanischer Baustil / 20 Euro: gotischer Baustil / 50 Euro: Baustil der Renaissance / 100 Euro: Baustil des Barock / 200 Euro: Glas-und-Stahl-Konstruktion (vermutlich um 1900) / 500 Euro: Moderner Baustil
Weitere Infos hier: klick
Leider muss ich Sie enttäuschen, wenn Sie glaubten, mein kurzer Ausflug zu den Gebrüdern Grimm hätte Sie von meiner Maria-und-Josef-Kampagne erlöst. Im Gegenteil: Jetzt wird es erst richtig interessant. Denn nachdem ich die werbearchäologischen Erkundungen in meinem Dachboden vorübergehend abgeschlossen und mir fast eine Pneumokoniose geholt hatte, wandte ich mich dem Keller zu. Hier fand ich in einem gut verschlossenen Eichenholzfass, das Gustav Adolf 1632 bei seinen Plünderungen vergessen hatte, mehrere Ziegenhaut-Plakate sowie einige gravierte Tontafeln für die Tontafel-Sandwichmänner. Wie bereits vermutet und erinnert, folgten die Motive keinem bestimmten CD, sondern waren vielmehr so gestaltet, als seien sie von verschiedenen Laien und Semiprofis entworfen und realisiert worden. Schließlich ging es ja auch darum, glaubhaft zu machen, dass hinter den Werbebotschaften und –mitteln gewöhnliche Leute aus dem Volk standen. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Giotto di Bondone (1266 – 1337) als derjenige gilt, der die ikonographische Darstellung überwand, indem er als erster Mensch dreidimensionale Bilder malte. Nun müssen – wie Sie gleich feststellen werden - selbst angesehene Kunsthistoriker mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass bereits über 1200 Jahre vor Giotto die dreidimensionale Darstellung gang und gäbe war – sogar beim gemeinen Volk. (Anmerkung: Ich hoffe, Sie glauben mir diesen Quatsch nicht).

Beachten Sie zum Beispiel einmal den Einkaufskorb in Marias rechter Hand auf nebenstehender Tontafel, bei der der Künstler die Plastizität mittels Schraffur darstellte. Ebenso erscheint mir erwähnenswert, dass die Emanzipation offensichtlich keine Erfindung von Alice Schwarzer gewesen ist, sondern dem Mann schon vor zwei Jahrtausenden zu schaffen machte.

Ich möchte ja nicht die Jauker’sche Kleiderordnung zum Running Gag hochstilisieren, aber finden Sie es nicht bemerkenswert, dass die Headline auf dieser Tontafel (siehe links!) auf irgendwelche Sakkoträger aus Akko eindrischt, die im gemeinen Volk aus irgendeinem Grund in Verruf geraten waren? Dass zwischen den Sakkoträgern aus Akko und den Managern und Bankern des 21. Jahrhunderts eine Parallele gezogen werden kann, ist zunächst mal eine Hypothese von mir. Wer weiß, vielleicht hatten zu jener Zeit Kaiser Augustus und König Herodes aufgrund einer Bankenkrise ebenfalls Imageprobleme.

Auch das folgende Ziegenhaut-Plakat-Motiv dürfte die Historiker in Erstaunen versetzen. Zeigt es doch auf eine sehr eindrucksvolle Weise, dass Amerika bereits vor Christi Geburt offenbar jedem Ziegenhirten in Galiläa bekannt gewesen sein dürfte. Die Frage, ob die Entdeckung dieses Kontinents mittels Prophetie erfolgte und auf dem Umweg über Karl May (die Propheten haben hellseherisch Karl May gelesen und auf diese Weise Amerika entdeckt), ist anhand des Motivs alleine jedoch nicht zu beantworten.
Es würde wohl zu weit führen, jedes einzelne Tontafel- und Ziegenhaut-Plakat-Motiv zu kommentieren, solange kein wissenschaftliches Gutachten vorliegt. Deshalb stelle ich den Rest meiner Fundstücke einfach mal hinten an. Dass in dieser kleinen Sammlung Josefs Esel überproportional häufig auftaucht, könnte auf Zufall beruhen oder auch darauf hindeuten, dass bereits damals, genau wie heute, Esel eine führender Rolle in der Gesellschaft spielten.




