Um der allgemeinen Belustigung und dem Spott zu begegnen, der mir aufgrund meiner „wahren Geschichte“ entgegenschlägt – selbst die lieben Kollegen ziehen sie in Zweifel, hab ich mal etwas in meinem Keller und Dachboden in alten Akten gewühlt, in der Hoffnung, ein paar Belege für unsere Maria-und-Josef-Kampagne zu finden. Den wenigen Manuskripten nach zu urteilen, die mir bisher in die Hände fielen, zogen wir die Kampagne in etwa folgendermaßen auf:
Phase 1:
Am Anfang stand das Virale Marketing, die Infizierung von Klatschweibern - und natürlich auch von Klatschmännern. Allerdings hießen die damals Informann, eine Wortschöpfung aus Informant + Mann. Das Virale Markerting (Klatsch-Marketing, wie es genannt wurde) sollte mittels positiver Gerüchte über Maria, Josef und ihren Esel eine wohlwollende Grundstimmung in der Bevölkerung erzeugen und dafür sorgen, dass die späteren Werbebotschaften bereitwilliger aufgenommen werden. Das Virale Marketing war sozusagen die Basis, das Fundament. Oder der Schlüssel, um einen anderen Vergleich zu wählen.
Phase 2:
Etwas zeitversetzt folgten Ziegenhaut-Postwurfsendungen, Ziegenhaut-Plakate, Marktschreier und Tontafelsandwich-Männer. Der Clou an der Geschichte: Als Absender der Werbebotschaften und als Financiers der Kampagne traten nicht Maria und Josef auf, sondern Leute aus dem Volk (Strohmänner), die Maria und Josef – aus welchen Gründen auch immer, scheinbar wohl gesonnen waren. Ich muss wohl nicht erklären, dass die Kampagne trotzdem von Maria und Josef finanziert wurde und sich die Strohmänner/-frauen ihren Einsatz mit mehreren tausend herzlichen Vergelt’s Gotts bezahlen ließen. Doch dies nur nebenbei.
Phase 3:
Die Aktionen des Zeloten-Marketings erfolgten punktuell und waren so etwas wie Glanzlichter, die aus dem allgemeinen Schillern und Funkeln der Kampagne herausleuchteten. In etwa so, wie die Lichtblitze auf einer alten Disco-Kugel.
Der Erfolg der Kampagne war ……. gi-gan-tisch!
Denn gegen Ende des Werbezeitraums entwickelte sich eine erstaunliche Eigendynamik. Während zunächst – am Anfang der Phase 2 – nur Strohmänner ihre Sympathien mit Werbemitteln „aus eigener Tasche“ kundtaten, wurden gegen Ende der Phase 2 auch Otto-Normal-Bürger von der Begeisterung erfasst. Ja, es ging sogar so weit, dass besonders Eifrige anfingen, Vereine und Clubs zu gründen.
Da gab es beispielsweise den Traumpaar-des-Jahres-Club, in dem Maria und Josef den Ehrenvorsitz hatten. Oder den Ein-Herz-für-Maria-und-Josef-Verein, der selbstgebackene Lebkuchenherzen verkaufte und den Erlös Maria und Josef spendete. Oder die Maria-und-Josef-statt-Herodes-Aktiengesellschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, Herodes zu entmachten und Maria und Josef auf den Thron zu setzen. Selbstverständlich mit dem Esel als Arbeitsminister. Doch nicht nur Erwachsene ließen sich von der Begeisterung anstecken. Auch hedonistische Jugendliche wurden plötzlich zu Altruisten. So gründeten beispielsweise eine Handvoll halbwüchsiger Gören den Allgemeinen Galiläischen Eselclub, kurz AGEC, in dessen Clubkellern man rauschende Mach-mir-den-Esel-Partys feierte. Was man(n) sich darunter vorstellen sollte, wusste allerdings keiner so genau.
Ich denke, diese kurze Aufzählung sollte genügen, um Ihnen zu veranschaulichen, welche Welle der Hilfsbereitschaft durch unsere Maria-und-Josef-Kampagne ausgelöst wurde und über Galiläa schwappte. Mal sehen, … vielleicht werde ich am Wochenende Keller und Dachboden entrümpeln, um nach weiteren Beweisstücken zu suchen. Bis dahin …
Schalom